ArtProfil 3/2005

Victor Shtivelberg und die Suche nach der vollkommenen Harmonie

 

ArtProfil 3/2005

Victor Shtivelberg und die Suche nach der vollkommenen Harmonie

links:   "Dancing with the
 Shadow", 50 x 40 cm,
  Oil/Canvas/Goldleaves
 
 rechts: „Asian Beauty",
 5O x 37 cm, Oil and Pastell

   „Für mich ist künstlerische Schöpfung Suche nach Harmonie zwischen dem Menschen und der Welt, zwischen der Idee und ihrer Verwirklichung," so fasst Victor Shtivelberg den Inhalt seines künstlerischen Schaffens zusammen. Es geht ihm beim Malen um die Herstellung eines Gleichgewichtszustandes innerhalb der Komposition. Dabei hat er nicht nur das ideale Verhältnis zwischen Raum und Figur sowie die Harmonie der Farben im Auge.
 Gleichgewicht ist im Kontext seines metaphorischen Denkens durchaus im übertragenen Sinne zu verstehen. Hinter der Haltung, welche die Bildfiguren einnehmen, steht eine Botschaft, die der Betrachter eher spüren als herauslesen wird.
    Diese Botschaft wird zum Beispiel durch die sonderbar wirkenden „Kopfbedeckungen" der
 Zentralfiguren akzentuiert. Kompositionen von Formen, die sich in einem Zustand befinden, der so nicht lange andauern kann.
    Dem Künstler geht es in vielen seiner Werke um die Balance. Die Balance - ein Moment zwischen Ruhe und Bewegung, der weder in Erstarrung noch in Hektik mündet, sondern für sich eine eigene Qualität aufweist, scheint der Maler jedem zu wünschen, der an seinen Bildern Freude findet.Um diesen Zustand für den Betrachter erlebbar zu machen, hat der Maler eine ganze Bandbreite von Möglichkeiten in seinen Bildern entwickelt.
 Obstschalen oder Zitronenscheiben, Dreiecke mit Kugeln oder sogar im Kopfstand balancierende Schildkröten, die wie Antipoden des Menschen wirken. All dies entwickelt sich ohne vorher ausgearbeiteten Plan, gleichsam aus sich selbst heraus:
 „Ich werde beim Malen zum Beobachter. Plötzlich sehe ich eine Linie, einen Punkt oder einen Fleck. Dann suche ich einen Ausgleich. Irgendwo erscheint eine Farbe, die durch eine weitere ergänzt werden möchte. Alles geschieht von sich aus, ohne Anstrengung. Für mich sind dies die kostbarsten Momente. Die Arbeit, der Kampf um das Entfachen des Feuers, das ist für mich ein schöpferischer Akt," erklärt Shtivelberg.

   Allem kommt Bedeutung zu Ungewöhnliche Einfälle - wie Kopfstand übende
 Schildkröten - sind nicht nur dem Humor des Künstlers zu verdanken, sondern auch dessen assoziativ symbolistischer Denkweise, der nichts nebensächlich erscheint. Der Vielfalt der Erscheinungsformen gilt Shtivelbergs gesamte Aufmerksamkeit. Dem Wunsch, dieser Vielfalt Gestalt zu verleihen und den einzelnen Details im Kontext des Gemäldes einen Sinn zu geben, verdanken wir die Vielschichtigkeit seiner Werke. Die Beherrschung der handwerklich- -technischen Seite des Metiers ermöglich es ihm, zu immer neuen, ansprechenden Farb- und Formenspielen zu gelangen.

rechts: "Concentration", 50 x 70 cm, Oil/Canvas
 links: "The Royal Couple", 70 x 60 cm, Oil/Canvas
 unten: „The Essencial Dialog", 84 x 73 cm, Oil/Can.

   Diese Vielfalt, das wird angesichts der zahlreichen Werke des Kunstlers, der heute in Dreieich bei Frankfurt lebt, offenkundig, bildet einen eigen-standigen Kosmos, dessen Gesetze andere sind als die der Welt, in der wir leben. Bevolkert wird Shtivelbergs Bilderkosmos zwar von anthropomorphen Wesen, die uns gleichen, gleichzeitig aber auch fremd erscheinen. Die Geschopfe des Kunstlers ermoglichen dem Betrachter Nahe, schaffen gleichzeitig aber auch Distanz.

   Diese Vielfalt, das wird angesichts der zahlreichen Werke des Künstlers, der heute in Dreieich bei Frankfurt lebt, offenkundig, bildet einen eigen-ständigen Kosmos, dessen Gesetze andere sind als die der Welt, in der wir leben. Bevölkert wird Shtivelbergs Bilderkosmos zwar von anthropomorphen Wesen, die uns gleichen, gleichzeitig aber auch fremd erscheinen. Die Geschöpfe des Künstlers ermöglichen dem Betrachter Nähe, schaffen gleichzeitig aber auch Distanz. Charakteristisch für die eben beschriebenen anthropomorphen Figuren ist deren Fähigkeit zur Kontemplation. Sie scheinen inne zu halten und sich in sich zu versenken. Sie sind ganz auf sich konzentriert, aber dennoch nicht un-abhängig von der Welt, die sie umgibt. Vielfältige Bezüge verweisen auf die Verbundenheit in welcher der Einzelne auch im realen Leben steht. "Tanz mit dem Schatten", der Titel eines programmatischen Werkes, weist auf die Erkenntnis hin, dass wir uns auch mit unseren dunklen Seiten versöhnen sollten.

"The Unstable Equilibrium",
 60 x 80 cm, Oil/Canvas   

"The wise man and the bird".
 60 x 40 cm, Pastell

   Die Bilder von Victor Shtivelberg tragen oft eine Aufforderung in sich, die klar ausgesprochen folgendermaßen lauten könnte: "Versuche alle Aspekte um dich herum und in dir selbst in ein
 Gleichgewicht zu bringen und du bist in der Kunst des Lebens ein gutes Stück voran gekommen. Diesen versöhnenden Sinn, der sich hier aus der Selbsterkenntnis heraus ergibt, kann der aufmerksame Betrachter hier aufkultur- -geschichtlicher Ebene ebenfalls dechiffrieren.
 In den Werken Shtivelbergs tauchen
 Schriftzeichen und Symbole aus dem Judentum ebenso auf wie Verweise auf das Christentum. Beides sind Religionen, die in Odessa, wo der Künstler 1960 geboren wurde, gleichermaßen im Untergrund praktiziert wurden.
    Sowohl das Christentum als auch das Judentum können, bezieht man sich auf die bildnerischen Aussagen Shtivelbergs, über den Sinn des menschlichen Lebens mehr aussagen als die rasch wechselnden Angebote der materialistischen Welt. Trotz dieser tiefen, Sinn suchenden Malerei, bietet Shtivelbergs künstlerisches Schaffen auf der anderen Seite auch eine ganze Reihe sinnlicher Genüsse. Hier wirkt zum Beispiel die Schönheit der Farben harmonisch auf den Betrachter. Bisweilen trägt er Blattgold auf, welches die ästhetische Ausdrucks- kraft der Darstellung noch zusätzlich betont.
    Neben den symbolischen Bildern gibt es eine ganze Reihe ansprechender Akte, die mit leichter Hand und sicherem Pinselduktus ausgeführt wurden.
    In seiner Geburtsstadt studierte Victor Shtivelberg an der Kunstakademie. 1991 - im Zuge der

Perestroika, als sich das Land öffnete - wanderte er nach Israel aus und lebte einige Jahre in der Künstlerkolonie Zfad über dem See Genezareth.
    Von Israel aus ging er nach Kanada und später nach Deutschland, wo er seit 2003 lebt und arbeitet.
    Seit 1987 stellt Shtivelberg regelmäßig aus. Arbeiten von ihm waren in seiner Geburtsstadt Odessa zu sehen (Museum of Fine Arts), im Museum of Modern Art in Yokohama, in der Galerie Amalia Arbel in Tel-Aviv, im Museum of Modern Art, Buenos Aires und an vielen anderen Orten der Welt. In Deutschland war er 2001 zum ersten Mal vertreten und zwar bei einer Ausstellung in der Marienkirche in Ulm.

   Eine Ausstellung mit neuen Werken des Künstlers unter dem Titel "Balance" findet im Juni
 in der Galerie Windbraut, Mittlere Hasengasse 13, in Bensheim/Bergstraße statt:
    Die Ausstellung dauert vom 12. Juni bis 11. August 2005 und zeigt neben den Werken
 von Victor Shtivelberg Arbeiten von Hilla Wolf-Wagner. Die Vernissage ist am Sonntag,
 12. Juni 2005, um 15 Uhr.
 
                                                                                                            Dr. Helmut Orpel